Mein Weinjahr mit Biniagual im Juni (Veran, Gran Veran)
Der Grund, damit ich so richtig in der Hitze leiden muss und mitfühlen kann, was die Biniagual Mannschaft dort schon die ganzen Wochen, neun Stunden pro Tag schuftet. Ich habe mich leger für halb lange Hosen, Turnschuhe und ein schwarzes Top entschieden. Schwarz damit man dann meine Schweissflecken nicht sehen kann und die ganze Erschöpfung sich auf dem Shirt nicht breit schlägt. Eingecremt bin ich auch und los geht’s…
Ach ja, die beiden Dödels Flip und Pablo liess ich lieber zu Hause. Auch denen ist es schon zu warm und ich möchte ja nicht noch dehydrierte Hunde. Es reicht, wenn ich es dann bin!
Nun steh ich hier also gespannt und freue mich. Diesmal arbeiten wir auf dem kleinen Feld im Dorf Biniagual selber. Die Vögel zwitschern aus voller Kehle und es ist eine beruhigende Stille. Zwei Milane kreisen über uns und lachen sicher, dass wir in der Hitze arbeiten müssen und sie frei in der Luft schweben können.
Seit April wird jeder einzelnen Rebe, auf 34 Hektar Grundfläche ,2 bis 3 Mal von Hand der grüne Schnitt verpasst. Das heisst, man schneidet oder zwickt von Hand die schon sehr grünen Blätter ab. Pro Pflanze gibt es max. 12 Triebe und pro Trieb lässt man 1 Traube stehen. Die anderen werden alle rausgezupft. Auch wenn schon Blüten dran sind, es braucht Licht damit das Wachstum gedeiht. Diese Arbeit zieht sich bis Mitte Juni hin. Dann muss man nichts mehr raus lesen. Zudem werden auch alle Drähte mehrmals bis Juli heraufgebunden damit die Äste nicht abknicken.
Die ganze Arbeit des Schnitts bewältigt man mehr oder weniger ständig auf den Knien. Nach 3 Stunden war ich fix und fertig. Man stelle sich vor, dass das seit April 10 Leute täglich von 07.00 bis 16.00/17.00 Uhr machen. Und dies bei momentanen 27°.
Ab Mitte Juli hört die Pflanze dann auch auf zu wachsen und die Trauben beginnen, sich zu verfärben. Das ist dann die Zeit, in welcher die grüne Lese beginnt. Momentan ist auch die Zeit, wo man spritzen muss. Dies wird bei Biniagual mit Kupfer und Schwefel gemacht. und der Traktor mäht zusätzlich täglich das ganze Unkraut ab. Vieles wird auch dort von Hand gemacht da wo die Sense des Traktors nicht hin kommt. Bei jungen, dünnen oder krummen Pflanzen hilft die Maschine nicht.
An den Rosenstöcken, welche vor jeder Rebreihe stehen sieht man, ob sich Mehltau bildet. Momentan ist aber alles im grünen Bereich. Wir hoffen alle, dass es keine Nässe mehr gibt. Das wäre dann ein gefundenes Fressen für den Mehltau. Man sagt, die Monate ohne „R“ sind auch ohne Regen. Schön wär’s.
Nach diesem Tag denke ich einmal mehr wie viel Arbeit in so einer Flasche Wein steckt. Man versteht wirklich besser warum die Flasche seinen Preis hat. Allerdings bevorzuge ich doch noch meine Arbeit, also den Wein verkaufen statt im Feld zu schuften. Mein Rücken schmerzt. Sonnenbrand habe ich trotz eincremen und die Oberschenkel haben ein gratis Training bekommen. Meine Hände schaue ich lieber nicht an. Da nützt nicht mal mehr eine Manicure (Gutscheine trotzdem willkommen). Die Disteln sind meterhoch und die feinen Dornen stecken überall. Ob Beine, Hände, Pobacken oder Gesicht, alles ist davon betroffen.
Warum tue ich mir das an bei einem Verkauf von zig tausenden Flaschen pro Jahr?
Damit Sie liebe Kunden sehen, wie viel Arbeit hinter so einem fantastischen Wein steckt! Und natürlich auch weil ich den Wein über alles liebe und Frau Miller eine grossartige Winzerin ist, die sich liebevoll um mich und die Pflanzen kümmert.
Nächstes Mal hören Sie wieder im August von mir, wenn ich mir die nächste Schinderei antue. Wie gesagt, es macht Freude und die grösste Freude ist, wenn ich heute Abend einen schönen Veran trinke, an den erfolgreichen Tag zurück denke und Ihnen der Wein auch gefällt.
