Mein Weinjahr mit Biniagual im Februar (Veran, Gran Veran)
Uff….heute gings nun also los. Um 06.30h klingelte schrill der Wecker. Selbst die Hunde sind erschrocken. Rein in die Gummistiefel und punkt 08.00h stand ich vor den Toren Biniaguals. Dort wartete schon in aller Fröhlichkeit die Besitzerin Charlotte Miller, selbstverständlich voll munter, professionell und mit dicker Jacke und Stiefeln ausgerüstet.
Auch die anderen acht Arbeiter war bereits gutgelaunt vor Ort.
Gesamthaft müssen in diesen Wochen 34,5 HK Rebfläche geschnitten werden, was ungefähr 148'000 Stöcken entspricht. Den weissen Trauben(Prensal, Muskatelle und Chardonnay) ging es schon an den Kragen.
Momentan ist der Mantonegro dran, welcher eher kompliziert zum schneiden ist und gar nicht den Normen von Shiraz und Cabernet Sauvignon entspricht. Und ausgerechnet den soll ich richtig schneiden???!!!! Schliesslich wollen Sie ja, liebe Kunden, einen tollen Wein trinken und nicht von Stöcken welche von Madame Mavino schlecht geschnitten wurden.
Eigentlich wollte ich ja nur eine Schere in der Hand haben, aber ich habe gleich einen ganzen Rucksack umgehängt bekommen mit Kabeln und Batterie. So eine Rebschere kostet doch sage und schreibe EUR 2'000.00. Und eine Revision dann sicher nochmals EUR 800.00 pro Jahr. Tja, nichts gegen meine kleine billige Rosenschere.
Nach gründlicher Einführung von Frau Miller konnte ich endlich loslegen und unter ihrer Aufsicht die ersten Stöcke schneiden. Zwei „Augen“ müssen immer dran bleiben, ist eine der Grundregeln, aber keine Regel ohne Ausnahme. Eine Pflanze besteht aus 10-12 Augen Zapfen pro Zapfen. Je mehr Zapfen ein Rebstock hat desto weniger Augen lässt man dran. Dies gilt auch bei instabilen oder zarten Pflanzen. Das heisst einige können auch mal nur 1 Auge haben.
Den Cabernet Sauvignon hatte man immer nur auf ein Auge runtergeschnitten. Jetzt lässt man teilweise auch zwei stehen. Es gibt eigentlich keine Regel mehr. Mit der Zeit hat man das im Gefühl. Und glauben Sie mir, das hat die Frau Miller so richtig!
Die Stöcke werden nach mehrjährigem Doppelcordon oder einfachem Cordon gezogen. Pro Pflanze gibt es normalerweise zwischen 1'200 und 1'800 Kg Trauben. Bei Biniagual ist das bedeutend weniger. Die DO Binissalem teilt vor der Ernte mit, wie viele Kilo pro Hektar und Sorte geerntet werden dürfen. Das ist sehr strikt.
Mit der Zeit wird man richtig schnell und bekommt Routine. Aber auweia…nach einer Stunde die erste Blase am Finger, aber nichts anmerken lassen, schnell weiter machen. Mein Rücken schmerzt auch schon und wenn ich mal den Blick nach vorne in die Reihe werfe, dann gibt es noch schön viel zu tun. Aber es macht riesig Spass. Keine Maschine hilft, kein Computer, alles Handarbeit. Und ich denke jetzt schon an den fertigen Wein und verstehe, warum eine Flasche Wein so teuer sein kann.
Aber nach zwei Stunden bin ICH erlöst, die anderen müssen ja noch alles fertig machen. Ich gehe jetzt zurück und schreibe gemütlich im warmen Büro meine Erfahrungen für Euch nieder. Aber erst muss ich mich ja aus den matschigen Stiefeln zwängen. Selbstverständlich hatte Frau Miller Schuhe zum wechseln im Auto. Ich als „Neuling“ hatte nur die Sumpfstiefel dabei. Eine Schicht von mehreren Zentimetern matschiger roter Erde schauten mich an, wenn ich runter blickte. Also blieb mir nichts anderes übrig als die Stiefel auf der nassen Strasse (es hatte leichten Nieselregen) auszuziehen und in den Socken nach Hause zu fahren.
So, und wenn jetzt dieser Teil der Arbeit gemacht ist, kommt richtige Männerarbeit. Die Pfosten müssen ausgebessert werden (letztes Jahr waren es 7'900 Stück). Das heisst, sie wurden erhöht, damit man oben noch eine Reihe Draht drauf binden konnte. Die Felder müssen alle in Ordnung gebracht werden. Neue junge Zapfen werden angebunden, die Verdrahtung wird wieder richtig fest gemacht. Das Formen von zurück geschnittenen Pflanzen sowie das Anbinden junger, neuer Zapfen.
Dann werden alle Drähte ganz nach unten gebunden, damit die Pflanze richtig hoch wachsen kann. Diese Drähte zieht man dann mit dem Wachstum immer mit in die Höhe. Gesamthaft macht das rund 400 Km, welche man da immer zu Fuss von Reihe zu Reihe zurück legt.
Die Arbeit des Traktors beinhaltet die Schnittflächen zu desinfizieren und zu wachsen/ölen, pflügen, mit Schafsmist düngen und die abgeschnittenen Zapfen zu häckseln oder weg zu werfen. Sind sie mit Pilzkrankheiten befallen, fliegt alles weg. Sonst wird das gehäckselte unter die Stöcke gelegt.
Natürlich bin ich ja kein Weichei und ging ein paar Tage später nochmals ein paar Stunden hin, um zu schneiden. Die Stille auf den Feldern ist schon fast mystisch. Es war ein strahlend schöner, sonniger Tag, schon fast frühlingshaft. Die Mandelblüte steht kurz bevor und man wünscht sich zu dieser Zeit an keinem anderen Ort zu leben. Selbstverständlich hatte ich dieses Mal Schuhe zum wechseln dabei.
Jetzt ist erst wieder mal Ruhe und der Wecker klingelt Mitte April wieder für den nächsten Teil.
